Collage - Das Bild im Bild. - Bildnerische Architektur: (organische) Konstruktion und (digitale)Dekonstruktion
‚Die Collage und in der Folge das digitalisierte Bild ermöglicht mir, eine von Bildern bestimmte medialisierte Wirklichkeit widerzuspiegeln.‘ TeresaMar
TeresaMars geklebte Collagen sind Basis für die Auseinandersetzung mit den digitalen Medien. Teresa Mar schichtet Bildausschnitte übereinander bis diese sich zu einem eigenen neuen Bild verdichten, das zugleich als Selbstausdruck wie auch Spiegel der aktuellen Zeit und deren Bildsprache zu verstehen ist. Am Computer dekonstruiert die Künstlerin den Aufbau der Collage und gelangt so zu einer Abstrahierung der Symbole, wodurch sich neue Perspektiven und Zeichen ergeben. ‚Wenn ich bisweilen auf digitalisierte Entfremdungen zurückgreife, so habe ich das Detail im Auge und erforsche den Spielraum, den mir der Computer gibt. Es öffnen sich zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten, wenn mittels der digitalen Bilder einzelne Ausschnitte der Collagen hervorgehoben, ausgesondert und mitunter verzerrt werden. Das Abtragen der Schichten gleicht einem Gehen in die Tiefe.
‚Hier wird ein Bild Grundlage für viele Bilder, das selbst aus vielen Bildern entstanden ist.‘ TeresaMar
Digitale Kreativität ist ein offener Erfahrungsprozess, der einher geht mit stets neuen technischen Arbeitsschritten, die es zu integrieren gilt.
‚Die digitale Kreativität erschloss sich mir mit dem Erlangen von Fokusiertheit im experimentellen Umgang mit dem ‚digitalen Pinsel‘ und der damit verbundenen weitgehenden Fixierung der Arbeitsabläufe.‘
TeresaMar transportiert ihre Bildbotschaften via Lichtprojektion und digitaler Printmedien in den offenen Raum.
Der Großraum steht für Freiheit und Berührbarkeit, er richtet sich nicht ausschließlich an den Kunstkenner. Die aus dem Alltag gewählten Imagos, aus denen sich eine Collage zusammensetzt, erleichtern dem kunstunspezifischen Publikum, einen Bezug zum Bild herzustellen und sich darauf einzulassen. Damit distanziert sich die Künstlerin kritisch von einer abgehobenen Exklusivität.
Innovative Präsentationsformen verstehen sich als Antwort auf die moderne, großzügig angelegte und neue Materialien verwendende Architektur, wodurch zusätzlich Orte abseits der Metropolen eine interessante Neupositionierung erfahren.
Die Arbeit mit dem Großraum erfolgt punktuell, da derart große Projekte einer ausgefeilten Logistik bedürfen sowie eines sensiblen Umgangs mit der Großfläche und dem dort gezeigten Suget. Wer in solchen Dimensionen arbeitet, der greift nicht wahllos nach jeder Fläche. Es bedarf einer konzentrierten Gerichtetheit.
Collage, als Versuch des Durchbruchs der herrschenden Konventionen des Sehens durch die Wiederverwendung von bereits Gesehenen.
Die Collage verwendet Bilder der Massenmedien bzw. Bewusstseinsindustrie. Durch die Anwendung der spezifischen Bildsprache der subkulturellen Ikonographie, erfahren die zumeist nur kurz sichtbaren Darstellungen der Massenkommunikation eine Aufwertung.
Durch die Vereinigung wesensfremder Elemente haftet der Collage eine gewisse Fremdartigkeit an, als bewege man sich durch eine 2. Wirklichkeit, eine, wo im Sinne der Ausdrucksfreiheit Analyse und Worte nur begrenzt vorzudringen vermögen.
Die uneinholbare Distanz, die zwischen der Realität und den in den Medien häufig gezeigten Wunschbildern entsteht, erzeugt eine Projektionsfläche, auf die der Betrachter ein inneres Bild, eine Idee, eine Assoziation projiziert. Dargestellt wird das entsubjektivierte und entfremdete Individuum mit der Aura der Vollkommenheit.
So wird das Bild zum allgemeinen Symbol, das Begehren auslöst.
Da es stets um die Erlangung der Aufmerksamkeit des Betrachtes geht, sind es Gestaltung und Werbung, die in gewissen Zeitintervallen gesellschaftliche Übereinkünfte hinsichtlich der Interpretation von Symbolen neu festlegen. Symbole sind demnach dynamisch und unterliegen Veränderungen.
Die haptisch-organische Sinnlichkeit ihrer Werke reiht das Bild-An-Sich vor die Theorie. TeresaMar malt quasi mit der Schere. Relativ lange Zeiträume (von 6-12 Monaten) liegen zwischen den einzelnen Collagen, was daraufhin weist, dass es hier um die Schaffung eigenständiger Bilder und nicht simple Kompositionen zusammengefügter Bildteile handelt. Der Inhalt ist daher nicht plakativ zu verstehen.
Ihre Werke sollen sich eine gewisse Unergründlichkeit bewahren.
Die Künstlerin zieht die subtile Botschaft der lautmalerischen Geste vor.
Teresa Mars Werke enthalten komplexe Bildbotschaften, die einen weiten Assoziationsspielraum ermöglichen und den Betrachter zur vor allem visuell-sinnlichen Auseinandersetzung veranlassen.
Die Künstlerin sucht die Interaktion sowie den Dialog zwischen Künstler und Betrachter.
Ihre Bilder sind keine, die es festzuhalten gilt. Vielmehr geht es um die Aufnahme einer gesamten Stimmung. Kunst als Erlebnis, bei dem das Auge frei ist, auf die Reise zu gehen.
Die Künstlerin sucht nach in der aktuellen Bildsprache verborgenen Inhalten, ihre Werke enthalten eine Eigendynamik, da die Künstlerin von Farbe, Foto, Thema ausgeht.
TeresaMar geht von einer Pluralität der Perspektiven aus. ‚Die Arbeit mit den Bildern anderer, entspringt dem Interesse an deren Blickwinkeln.‘
Teresa Mars‘ Prämisse : DIE ABSTRAKTION LIEGT IN DER PERSPEKTIVE
Sie ergibt sich in den Collagen durch die dichte Bildüberlagerung, welche bewirkt, dass das fertige Werk aus der Distanz anders gesehen wird als aus der Nähe. Erst aus der Distanz erschließt sich dem Betrachter eine gewisse Monochromie, Kontraste und Formen, die sich durch die Schnittmuster zufällig ergeben haben und weitere Symbole auftauchen lassen,
Das Bild soll alleine vor dem Auge bestehen können.
Die Macht des Bildes liegt in seiner Unmittelbarkeit, durch die es an das Gefühl appelliert. Beides ist begrenzt theoretisch erörterbar.
Die nonverbale Sprache richtet sich an die sinnliche Wahrnehmung und Libido. Sie abzuwerten wäre kulturpessimistisch. Immerhin ist sie ein Fakt kreativen Schaffens und muss nicht der politisch korrekten Unlust zum Opfer fallen. Kunst als Sinneserleben.
Die Kunstwelt hat sich letzthin, in Folge eines Neudefinitionsversuches ihrer Institutionen und Kriterien, vorwiegend durch eine reduzierte Visualität ausgedrückt. Kunst als Philosophie ist eine Facette. ()
Kommunikation erfährt eine erneute Aufwertung genauso wie Visualität.
Zeichen sind nicht sinnentleert. Der Kontext eines Kunstwerkes bildet dessen metaphorischen Rahmen. Jedes Bild bezieht sich. Es repräsentiert Selbstausdruck sowie die Spiegelung aktueller, häufi g verwendeter Symbole, die bewusste und unbewusste Aspekte der Gesellschaft wiedergeben.
Ein Symbol zeichnet sich durch Gleich- und Ungleichsein, Synthese und Analyse aus.
TeresaMar (organische) Konstruktion und (digitale) Dekonstruktion
Spricht ein Werk sehr unterschiedliche Menschen an, weist dies auf die Verwendung von Archetypen bzw. universellen, vorpsychischen Urbildern des kollektiven Unbewussten hin.
Indem die Künstlerin mit Grundformen wie Gesicht, Körper, Lächeln, Alter, etc. arbeitet, bezweckt sie einen weiten Assoziationsspielraum.
Äußere Bilder dienen der Darstellung innerer.
‚Was ich wähle, spiegelt mir etwas, das zu ergründen mich bestrebt.‘TeresaMar
Das innere Bild ist ein wertfreies, abgehobenes, da voller Symbolcharakter. Verwendet wird demnach eine übergeordnete Zeichensprache, eine Art Code für etwas schwer zu Beschreibendes.
Die Verneinung des Ursprungs erachtet die Künstlerin als ein dem Realen zu ferne stehendes Gedankenkonstrukt.
Je komplexer die Bildbotschaft, desto mehr Interpretationsmöglichkeiten. Sehen wird zum aktiven Vorgang. Je nach Wahrnehmungsgepfl ogenheiten unterscheiden sich Symbole und Inhalte, die gesehen werden. Komplexe Werke regen zu einem Verharren von Blick zu Blick, einem sinnlichen Abtasten, einem Sich-Einlassen an.